Österreichischer Kunstpreis 2016
2016 erhielt die Schmiede den Österreichischen Kunstpreis für Kulturinitiativen. Die Begründung der Jury hat auf den Punkt gebracht, woran wir all die Jahre gebaut haben:
„So hat sich die Schmiede als das etabliert, was man – oft als Schlagwort benutzt und doch so häufig bloße Behauptung geblieben – ein nach allen Seiten offenes, aber keineswegs beliebiges Labor der Gegenwart nennen kann."
Die Schmiede erleben – zehn Tage reines Schaffen
Schmiede Dokumentation – moderiert von Michael Hackl
Vom gescheiterten Vorhaben zum Spielplatz (seit 2003)
Die Schmiede ist aus der Asche eines großen, ehrgeizigen Projekts entstanden, das nicht funktioniert hat. Seit 2003 sind wir etwas anderes – ein Ort, um Dinge auszuprobieren, um zu experimentieren, ohne den Druck, erfolgreich sein zu müssen. Was als Reaktion auf ein Scheitern begann, hat sich zu einem Spielplatz der Ideen entwickelt, an dem der Prozess mehr zählt als das Produkt.
Am Anfang drehte sich alles um Clubkultur. Ich habe Workshops zu 3D-Visuals mit Open-Source-Werkzeugen unter Linux gehalten – und dabei das Technische mit dem Künstlerischen verbunden, auf eine Art, wie sie damals unüblich war. Wir waren Hacker im wahrsten Sinne: Wir haben Dinge auseinandergenommen, um sie zu verstehen, und daraus etwas Neues gebaut.
Welten verbinden – durch Geschichten und Systeme
Die DNA der Schmiede
Ab 2005 haben wir den Fokus verschoben – wir nutzten die Schmiede, um Projekte anzustoßen, die sonst nie entstanden wären. Hier begannen die eigentlichen Experimente:
Digital Confession Booth
Eine Browser-App, die verloren gegangene Rituale, Privatsphäre und das menschliche Bedürfnis nach Absolution hinterfragt
Ansehen →SLAP
Eine Wette, aus der das weltweit bestbewertete YouTube-Video wurde
Ansehen →Aber die eigentliche DNA der Schmiede – das, was sie heute ausmacht – hat sich mit SLAP herauskristallisiert. Dieses Projekt hat uns gezeigt, dass die interessantesten Dinge dann passieren, wenn man aufhört, Ergebnisse kontrollieren zu wollen, und stattdessen die Bedingungen dafür schafft, dass etwas entstehen kann.
1700
Browsergame, das Wiens absurde Polizeirazzia dokumentiert: 1.454 Beamte gegen 19 Besetzer
Ansehen →Hebocon
Die Feier des Scheiterns in Form von Schlachten schäbiger Roboter
Ansehen →Boxblitz
Physisch-digitale Installation mit Boxsäcken, die unser kämpferisches Verhältnis zur Technologie auslotet
Ansehen →Meine Rolle in dieser Entwicklung
Viele Jahre lang war ich für die Netzwerkinfrastruktur und die Präsentationen verantwortlich – für die unsichtbaren Systeme, die sichtbare Kunst erst möglich machen. Man kann es sich so vorstellen, als würde man die Bühne bauen, während andere auftreten – nur dass die Bühne selbst Teil der Aufführung ist.
Heute sorge ich als Finanzverantwortlicher dafür, dass dieser Spielplatz frei bleibt. Nicht frei im Sinne von „kostenlos“, sondern frei im Sinne von „Freiheit zu scheitern“. Denn jedes Jahr kommen über 100 Macherinnen und Macher nach Hallein – nicht um zu gelingen, sondern um es zu versuchen; und es gab Jahre mit über 300. In diesem Versuchen passiert Magie.
Die Schmiede-Methode
Zehn Tage. Ein altes Salzlager. Keine Erwartungen.
Die Schmiede ist kein Festival im herkömmlichen Sinn – sie ist ein Geisteszustand. Wir schaffen eine Blase außerhalb der normalen Zeit, in der Künstler, Hacker und Denker an dem arbeiten können, was sie ruft. Keine Pitches. Keine Businesspläne. Keine Erfolgskennzahlen. Nur der reine Akt des Schaffens.
Die einzige Regel: präsent sein. Nicht nur körperlich, sondern geistig, emotional. Wenn du in der Schmiede bist, bist du nirgendwo sonst. Diese Intensität – diese temporäre autonome Zone – ist der Ort, an dem Durchbrüche geschehen.
„Die Schmiede ist nicht der Ort, an dem du zeigst, was du kannst. Sie ist der Ort, an dem du entdeckst, was du werden könntest.“
Interview mit Michael Hackl
Über die Philosophie des produktiven Scheiterns und warum sich die besten Festivals überhaupt nicht wie Festivals anfühlen.
Zum Interview hören →Der Ort selbst
Ein Rundgang durch das Gebäude als Musikvideo – entstanden in der Schmiede